Geschichte des Schulbiotops Widenrain
Artikel für die Dorfzeitung Oberwil (Juni 2003)


Vor gut zwanzig Jahren schlug ich innerhalb des Lehrpersonenteams in der Schule Oberwil vor, einen Schulbiotop zu schaffen. Zusammen mit der Stadt planten wir dieses Biotop auf der damals brach liegenden „Brunnenmatte“. Unerwarteter Widerstand der Nachbarn kam auf. Das laute Froschgequake könnte die Nachtruhe stören, oder Kinder könnten im künstlichen Gewässer ertrinken, waren die Bedenken.
Die ablehnende Haltung gegenüber dem geplanten Schulbiotop erwog die Stadtplaner, einen Teil der vom Volk gewünschten Familienwohnungen hier auf der Brunnenmatte zu realisieren.
Dieses Ansinnen wurde anlässlich einer Volksabstimmung jedoch verworfen. Danach wurde auf dieser Wiese ein zweiter Sportplatz verwirklicht, wobei der obere Teil naturnah gestaltet wurde.
Die Idee, einen Schulbiotop zu verwirklichen, liess ich jedoch nicht fallen. Schon bald verhandelte ich mit der Korporation um das freigewordene Land am Widenrain. Der damalige Pächter, Herr Portmann, zog mit seinen Pferden von Oberwil weg. Aus diesem Grunde konnte ich mit der Korporation für den Schulbiotop einen Vertrag ohne Pachtzins aushandeln. Noch heute bin ich der Korporation, im Namen der Schule und der Erholungssuchenden für das Entgegenkommen sehr dankbar.
Innert kürzester Zeit konnte ich, dank der Stadt und guten Freunden aus Naturschutzkreisen, einen Schutzplan und ein Projekt für die Realisierung eines Weihers den städtischen und kantonalen Behörden einreichen. Ende September 1986 an zwei Samstagen baute ich zusammen mit Kindern und Eltern dieses Kleingewässer. Dank der Mithilfe eines Kleinbaggers der Firma Risi gingen die Arbeiten schnell voran. Da sich nach der Verlegung der Abdichtungsfolie der Weiher mit natürlichem Hangwasser nur langsam füllte, legte die Feuerwehr Oberwil eine Schlauchleitung vom Mülibach her. Innert kürzester Zeit wurde damals der Weiher gefüllt und wir konnten die Uferzonen mit überschüssigen Pflanzen des Kantonsschulbiotops begrünen.
Bereits 6 Monate später, im März 1986, laichten die ersten Grasfrösche im neugeschaffenen Tümpel. Schon bald gesellten sich Kröten und Molche dazu, und über dem Wasser tanzten die ersten Libellen und Wasserinsekten. Die ebenfalls gepflanzten Sträucher liessen das Schulbiotop schon bald als natürlichen Bestandteil der Umgebung erscheinen.
Seit bald 17 Jahren wird nun dieses Biotop von unzähligen Schulklassen als Beobachtungsort und als Naturschulungsort zur Freude der Kinder benutzt. Neben der Beobachtung benötigt das Biotop jedoch jährlich Pflegemassnahmen. Jeweils Ende Oktober müssen das Gras und die Sträucher geschnitten werden. Auch die Wasserpflanzen müssen jährlich dezimiert werden, damit der Weiher nicht verlandet. Dazu stieg ich jährlich zur Belustigung der Schülerinnen und Schüler mit meinem Surfgewand ins Wasser und riss die überschüssigen Pflanzen aus. Vor etwa drei Jahren hatte jemand Jungfische in unserem Biotop „entsorgt“. Da diese Fische den Froschlaich und das Leben im Tümpel gefährdeten, mussten wir den Teich unter Mithilfe der kantonalen Fischereiverwaltung elektrisch ausfischen. Die gut zehn Fische trugen wir wieder zurück in den See.
Seit bald 5 Jahren konnte ich die umliegenden Wiesen einer freiwilligen Naturschutzgruppe der pro Natura übergeben. Diese pflegt nun jährlich die umliegenden Feuchtwiesen. Der nördliche Teil und der Hang gegen den Wald gelten jedoch als Trockenstandort. Dieser Teil wird jährlich nach der Versamung ca. Ende Juni durch einen Bauern geschnitten. Seit 17 Jahren wird im Widenrain kein Dünger mehr ausgebracht. In diesen Jahren haben sich die Pflanzarten verdreifacht. Es wird nochmals 10 bis 20 Jahre dauern bis diese Hangwiesen völlig ausgemagert sind. Ich freue mich jedes Jahr neu, wenn ich Arten entdecke, die es an diesem Standort seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Auch konnte ich beobachten wie die Schlüsselblumen und Märzenglocken ohne Dünger je länger je besser gedeihen.
Zusammen mit den vielen Spaziergängerinnen und Spaziergängern freue ich mich an diesem wiedergewonnen Stück Natur, welches, vor unserer Haustüre, uns alle erfreut.
Zwar habe ich noch keinen Nachfolger für die Pflegemassnahmen des umzäunten Schulbiotopareals gefunden. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass mir dies noch vor dem kommenden Herbst gelingen wird. Interessenten melden sich doch bitte bei mir!

Andreas Bossard

 

 

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