|
De
erscht Oberwyler Leerer
2006 feiert
unsere Nachbarschaft das 100 jährige und unsere Kirche
Bruder Klaus das 50-Jahrjubiläum. Von meinem 85-jährigen
Vater habe ich aus dem Familienarchiv eine Ge-schichte erhalten,
die sich vor über 150 Jahren in Oberwil ereignet hat.
Aufgeschrieben hat sie mein Onkel, der bis Ende der 50-er
Jahre im Neustadtschulhaus unterrichtete. Er war eigentliche
der erste, der von seinen Schülern „Bösgi“
genannt wurde. Dieser Übername ist in unserer Familie
bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.
Diese Geschichte vom „Jucheneggpuur“ ist aufgeschrieben
im typischen Zuger Dialekt. Nur noch wenige Leute sprechen
dieses echte Zugerdüütsch. Durch den Zuzug von Menschen
aus allen Kantonen und aus 84 Nationen hat sich unsere "Ursprache"
in den letzten Jahr-zehnten zu einem Dialekt entwickelt, der
geprägt ist zwischen den ehemaligen Dialekten von Zürich,
Luzern und Schwyz.
In Oberwil blieb das Zugerdeutsch in einigen Familien noch
einigermassen erhalten. Ich den-ke da an die Familien Speck,
Uttinger, Sidler, Aklin, Keiser und Bossard. Dies sind, die
in Oberwil am meisten vertretenen Korporationsgeschlechter.
Es gibt heute noch 34 Korporati-onsgeschlechter. Die Angehörigen
der Familie „Schell“ sind z.B. die Nachkommen
der le-gendären „Greth Schell“. Dieses Geschlecht
wird leider in den nächsten Jahren aussterben, da nur
noch zwei ältere Damen am Leben sind.
Versuchen Sie einmal die Geschichte des ersten Oberwiler Lehrers
im Dialekt zu lesen. Vielleicht müssen sie diese Zeilen
laut lesen, so geht es einfacher
Viel Vergnügen beim Lesen der Geschichte meines Ururgrossvaters,
dem ersten weltlichen Lehrer von Oberwil.
Andreas Bossard
De Juucheneggpuur
De Josef Bossard
hed am 18. Maie ane 1808 im hindere Hoof Bernold zum eerschte
Mool i d Wält use gluegt und isch näbe vier Brüedere
und dry Schwöschtere uufg-wachse. Är isch es gweckts
Püürschtli, wo liecht fürsi choo isch i de
Schuel. Er hätt spööter gärn e Heer* ggää.
Nach de guete Gymnasialschtuudien z’Einsidle hed er
wel-le ines Prieschterseminar yträtte. Es hed aber nid
müesse sy. Vom ene Ugfeel** noo hed er es styffs Chnüü
überchoo. Wie hätt er doo welle vor em Allerhäiligschte
am Altaar chnüüle? S wäär nid guet ggange.
Drum hed er halt müessen öppis anders aa-foo. Es
Handwärch hed er aber nid chönne, und Bürolischte
hed mer zu säber Zyt no-nig eson e Huuffe pruucht, wie
hütigestags. Eso um die Mitti vom Joorhundert (1850)
hed er i de Juchenegg obe am gääche Rank zue puuret.
Die wyt Uussicht über e See und i d Bäärge
isch deet äistig nu glych. Aber Huus und Gade sind gröösser
und d Strooss vo de Schönegg i Zugerbärg ufe isch
jez bräiter und nümmen eso krüglet.
*Pfarrer, **Unglück
De Kaploon z Oberwyl
Duezmool hed z
Oberwyl de hoochwürdig Herr Kaploon Paul Anton Wickart
d Seel-soorg und d Schuel übernoo, e ganz e gschyde Heer.
Vo alle Syte noo hed er e Huuf-fen Aarbet überchoo und
gly nümme möge z Bode demit. Er hed müesse
um ene Hülff uusluege.
Und äinisch am ene Sunntig noch em Gottesdienscht verchund
em uf em Oberwyler Chilewääg de Josef Bossard und
dee prichtet em under anderem, wie s em ggangen isch und das
er au e Heer wäär, wenn sys rächt Chnüü
Gläich hätt. Jez mües er si halt dry schicke
und i de Juchenegg obe Chüe hiirte und mäle. Är
wär aber froo, wen er denäbet nu öpis chönnt
verdiene. Zyt haig er, und schaffe tüeg er gääre.
„He“ mäint de Kaploon, „wurum machid
er nüüd anders? Mit üchem Wüssen und Chönne
chämid ir z Luzärn oder au am ene andere Ort gwüss
Gott e schööni Stell über.
„Und furt sell i? I cha vo doo nid furt, jez nümme.“
De Kaploon luegt ene vo de Syte noo aa. „Hm“ macht
er und dänkt:
„Das isch my Maa. I gibe d Schuel i demm. Dee chas mit
de Chinde besser weder iich.“ De Kaploon isch e gschyde
Heer gsy und hed gwüsst, won ene de Schue am mäischte
trückt. Luut säid er: „Wüssid er waas,
Bossert? Losid! Nemid ir mir d Schuel aab! I chume mit dene
chlyne Gööflene nid eso rächt z schlag und
han e Huuffe so Wichtigs ztue. Ich cha der A-B-C-Arbed nid
au nu mache. Ir sind jo n e guet pildete, gidultige Maa und
chönid daas scho. Die 428 Fränkli, won ir defüür
überchömid im Joor, tüend er uf d Syte legge,
und bis in es paar Jöörli hend er es Vermögeli
bine-nand. Es zellt si alig gly äinisch mit Zys und Zyseszys.“
Tifig hed de Josef Bossrt überläid, wien er well
d Zyt ytäile, as d Chüe i de Juchenegg obe und d
Chind z Oberwyl unde nid z churz chömid. Druuf säid
er: „Guet, Her Kaploon, i nime d’Schuel.“
Dr Oberwyler Leerer
Im Herbscht ane 1850 hed de Jucheneggpuur aagfange schuelmäischtere,
und es isch guet ggange. De Schuelroot und d Inschpäkter
sind zfride gsy und de Chinden iri El-tere wäägerli
au. De Josef Bossard hed s mit syne Pflichte gnau gnoo und
si mit Fraü-den erfüllt. Es sygem groote, z bîwyse,
das d Oberwyler Chind es Hirni häigid, wien anderi au
und das si äigetli nid mee tampid und täärid
weder d Stadtgoofe, wo si alig wäge demm mit Lumpevärslene
gfuxt hend.
Zää Joor lang isch de Jucheneggler in aller Früeni
uuf und i Staal, hed d Chüe gmole, ghiirtet, Straüi
underläid und isch de was gisch was d hesch duraab dur
Wäide, Wald und Büsch staregangs uf s Kaploonehuus
zue z Oberwyl unde. Deet hed er die Chlyne gleert lääse,
schryben und rächne. Am zwölfi isch er zum Sigrischt
Stadli dure goge sy Milchsuppen ässe. Die isch us ere
Guttere Milch und eme Fläre Schwarzbrood, won er i de
Tschoopetäsche vo de Juchenegg abeprunge hed, i de Chuchi
gchochet und ba-raad gsy. Noch dem billige Zmittaag isch er
i s Schuelzimmer zrugg go kurigiere und vorberäite. No
de vieren isch er häizue i d Juchenegg ufe sys Güetli
und sys Vee go bsoorge. Dur e Bäärg uuf, won er
alig duregloffen isch, hed s nodigsane es Wäägli
ggää, es aatrampets. Me gseed nu hüttigestags
doo und deet naümis devoo. D Holzer und d Beeribuebe
hend em äister nu gsäid s Schulleerers Wääg,
wenn s scho nümme gwüsst hend wurum.
Won er äinefüfzgi gsy
isch, hed ene der „Amor“ erlikt bi der Agete Landtwing.
Die hed es Aug uf ene grüert und guet troffe.
Luut eme Stadrootsprodikol hed dee im Herbschtmonet ane 1858
e Bsoldigsuufbesse-rig ghaüsche und as Grund dezue aaggää,
e Leerer i de Stadt unde häig bi glych vil Stunde e Jooresloon
vo 860 Franke. Uf das hy hed em de Root syni uf 500 Franken
uufgrundet, und also noch eme Spruch ghandlet, wo naümen
i de Bibel stood: „Seid nicht allzu gerecht!“
- Daas hed der Oberwyler Leerer echli möge, nid blooss
wägem Gäld.
Zwaü Joor spööter hed er au d Schuel uufgää
z Oberwyl.
Im Alter vo 83 Joore am 24. Jäner 1892 hed de vergässnig
Oberwyler Leerer sy letscht Schlaag uf s Härz überchoo.
Eso zfriden, wien er gläbt hed, isch er gstoorbe.
|