Er wünscht sich mehr Vertrauen
Portrait in der neuen Zuger Zeitung vom 9. September 2010

Der Christlich-Soziale gilt als stiller, diplomatischer Schaffer. Sein Zug der Zukunft soll mehr Freiraum und mehr Lebensqualität bieten
Von Chantal Desbiolles, Neue-ZZ

Er sieht es als Zeichen dafür, dass seine politischen Überzeugungen auch nach Jahrzehnten noch Bestand haben: Andreas Bossard hat zum Gespräch aufs Guggi gebeten. «Hier», sagt der heute 58-jährige Politiker, «hat alles begonnen». Nicht zum ersten Mal erzählt er die Geschichte der geplanten Überbauung, gegen die er vor 30 Jahren Unterschriften sammelte – und mit dem Erfolg in der Initiative zur Freihaltung des Guggihügels auch gleich den Grundstein für seine politische Karriere legte.

Lorbeeren winken nicht überall
Die Möglichkeit, mit und für Menschen etwas bewegen zu können, treibt ihn an. Während 24 Jahren unterrichtete Bossard als Lehrer in Zug; über 18 Jahre war er hier Kantonsrat. Seit 2003 sitzt er als Vorsteher der Abteilung Soziales, Umwelt und Sicherheit (SUS) im Zuger Stadtrat. Die vergangenen vier Jahre seien nicht immer einfach gewesen, sagt Bossard diplomatisch. «Aber wir bemühen uns, das Beste für die Stadt zu tun.» In seiner Position, als Chef des grössten Departements, kein leichter Job. Nicht weniger als neun Abteilungen hat er unter sich: vom Sozialamt (Sozialdienst und Schulsozialarbeit), dem Vormundschaftsamt, den Fachstellen Alter und Gesundheit, Umwelt, Energie, über das Polizeiamt, den Gemeindeführungsstab, Parkraumbewirtschaftung, Verkehr, Feuerschau und nicht zuletzt die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug (FFZ). In all diesen Bereichen tue sich vieles, das nicht immer an die Öffentlichkeit gelange, ja teilweise auch nicht gelangen dürfe. «Gerade im Vormundschaftsbereich kann man politisch keine Lorbeeren ernten», sagt er. Als Erfolg wertet er, dass die Schulsozialarbeit flächendeckend eingeführt wurde. «Und dass das Podium 41 in einer anderen Form wieder lebt.» In einem Bereich aber hätte der christlich-soziale Stadtrat aber gerne mehr erreicht: Rund um die Umwelt.

Soziale Sicherheit
In den vergangenen vier Jahren wurde auch der Pflegenotstand entschärft, sagt Bossard. «Dank dem Bau der Frauensteinmatt und der Kooperation mit dem Klösterli in Unterägeri.» Es sei unabdingbar, dass man den älteren Bewohnern die Zuversicht geben könne, dass sie Zug in ihren letzten Lebensjahren nicht verlassen müssten. «Diese Sicherheit bedeutet auch Lebensqualität», sagt Bossard. «Sie definiert sich nicht nur übers Portemonnaie.» Er ist stolz auf Zug, zumal sie im Vergleich zu anderen Städten als zweitsicherste Stadt eingestuft wird. In diesem Zusammenhang sei aber auch wichtig, dass man seinen Einwohnern die Angst nehmen könne, dass die Mietzinse ins Unermessliche steigen könnten. Der preisgünstige Wohnungsbau wirke dem entgegen – aber nicht von heute auf morgen, einige Projekte laufen, sondern halt eben «schrittweise».

Mutige Landpolitik
Nach den letzten Wahlen, zu Beginn seiner zweiten Amtsperiode gestand der Lehrer ein, zwar mit der Schule «geliebäugelt» zu haben. Doch ein weiterer Departementswechsel wäre für die Stadt nicht gut gewesen, sagte er damals. Und auch heute ist er Veränderungen gegenüber zwar offen, will aber «sehr gerne» an seinem Departement festhalten. Von der Exekutive, welche die Stadt in die Zukunft führt, wünscht sich der 58-Jährige «ein wenig mehr Vertrauen». «Mehr Mut» hingegen soll Zug in der Landpolitik aufbringen, findet Andreas Bossard. Für 17 Millionen habe die Stadt seinerzeit das Land am Guggi erworben. «Heute wäre der Stadttunnel nicht realisierbar, wäre dieses Gebiet überbaut», sagt er, der sich heute dafür einsetzt, dass etwa das Stierenmartktareal freigehalten wird. Mit den 100 Millionen im städtischen Steuerstrumpf würde er die Oeschwiese gerne kaufen. «Wir müssen versuchen, die Überschüsse in Landkäufe zu investieren», sagt er. Und setzt sich, auch ausserhalb des Wahlkampfs, zwischendurch immer wieder gerne auf das Bänkli auf dem Guggi.

 

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