Tagung Spiritualität in Sozialer Arbeit, Lassallehaus Bad Schönbrunn    2. Februar 2006

Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrte Frau Vögli, Herren Stäheli und Rutishauser

 

Es freut mich, dass ich zu Beginn dieser Tagung „Spiritualität in Sozialer Arbeit“ das Wort an Sie richten darf.

Wenn aus der Sicht der übrigen Schweiz auf die Stadt Zug geblickt wird, denken die meisten an das Steuerparadies Zug. Sie hören von den finanzstarken Firmen, die sich niederlassen und von den verhältnismässig guten Finanzen von Stadt und Kanton. Zudem sind wir eine Kleinstadt ohne grosse Industriegebiete und ohne übergrosse Zuwanderung von Ausländern. (Ausser von Gutbetuchten) Sie denken vielleicht, dass ein Vorsteher des Sozialdepartements in einer solchen Stadt kaum Probleme und es leicht hat. Doch ich kann ihnen versichern, soziale Fragen machen auch vor einer Stadt wie Zug nicht halt. Vielleicht haben sie nur ein etwas anderes Gesicht....

Durch die teuren Mieten, die durch die guten Steuerzahler in unerschwingliche Höhen getrieben werden, werden Menschen trotz Vollbeschäftigung zu „Workingpoors“

 

Zudem nimmt in einer Wohlstandsgesellschaft der Individualismus stark zu und die Motivation zu solidarischer Hilfe ab. Die Sensibilität der Bedürftigkeit geht verloren. Oder eine andere Beobachtung, die ich mache: Die Verhältnisse werden nicht mehr richtig eingeschätzt. Es wird auf einem sehr hohen Niveau gejammert. Da gilt es für die Randständigen aber auch für die durch Reichtum Ausgegrenzten eine neue Sensibilität zu gewinnen.

 

Die Frage von Spiritualität in sozialer Arbeit ist wichtig, weil es heute die geistliche Dimension wieder braucht, die den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern Motivation gibt. Sie hilft ihnen, die tieferen Dimensionen des Lebens neu zu entdecken und aus ihren Quellen zu leben. Das schützt sie vor Überforderung und ist die beste Prävention für Burnout. Gerade die soziale Arbeit ist auf Arbeitende angewiesen, die nicht nur routinierte Beamten sind, sondern etwas von Menschlichkeit und Freude am Leben ausstrahlen. Dazu soll die Auseinandersetzung mit Spiritualität ihnen allen helfen.

Aber auch die Menschen, für die die sozialen Einrichtung da sind, wollen ganzheitlich abgeholt und angesprochen werden. Sie leiden ja darunter, oft nur als „Fall“ behandelt zu werden und haben Angst, schliesslich nur noch eine Nummer in der bürokratischen Verwaltung zu sein. Seit Jahresanfang mit der Anpassung der SKOS-Richtlinien sind sie als Sozialarbeitende an vielen Orten noch mehr gefordert. Es wird von ihnen erwartet diese Anpassungen verständnisvoll zu erklären. Sicher ringen sie oft mit Worten! Vergessen Sie dabei nicht ihren Spielraum menschlich auszuschöpfen. Achten Sie und arbeiten Sie an der gegenseitigen Würde!

Gerade hier muss soziale Arbeit bei aller technischen Professionalisierung auch neue Wege eingehen, die sie gerade aus der Spiritualität gewinnen kann.

 

Dem Lassalle-Haus danke ich herzlich, dass es die Initiative aufgenommen hat, von seinem Kerngeschäft her, der Spiritualität, spezifisch in den sozialen Sektor hineinzuwirken. Wir sind auch solche privaten Initiativen immer wieder angewiesen und wollen sie von der Stadt her auch stets unterstützen. Gerade eine reiche Stadt wie Zug hat die Verantwortung, sich besonders der sozialen Fragen anzunehmen. Daran misst sich letztlich wahre Kultur und Zivilisation und an nichts anderem.

Ich wünsche Ihnen allen eine gute Tagung.

Andreas Bossard, Stadtrat, Zug

 

 

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