2000 Watt für Zug


Sehr geehrter Herr Präsident, Geschätzte Damen und Herren Gemeinderäte, werte Gäste
Das Thema ist komplex, weckt Emotionen und viele Meinungen sind vorgefasst. Die Diskussionen zeigen vor allem, dass nur sehr wenige eine klare Vorstellung davon haben, worum es wirklich geht. Noch gibt es mehr Fragen als Antworten. Erlauben Sie mir deshalb einen weiteren Versuch, zu erläutern, warum bereits der alte und nun auch der neue Stadtrat diese Vorlage unterstützt.


Die drei wichtigsten Hintergründe sind:
1. Wir alle können erkennen, dass sich die Welt immer schneller verändert. In weniger als 50 Jahren werden fünfmal mehr Menschen auf unserem Planeten leben als zu Zeiten unserer Grosseltern. Diese Menschen wollen ernährt werden. Sie wollen arbeiten, konsumieren und ihre Freizeit geniessen.
2. Die Klimaproblematik kann nicht mehr wegdiskutiert werden. Im Klimabericht der vereinigten Nationen wird als wichtigste Ursache der Erderwärmung (mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent), die menschlichen Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) dafür verantwortlich gemacht.
3. Das Zeitalter der fossilen Ressourcen neigt sich dem Ende. Laut den neuesten Prognosen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird sich der Verbrauch fossiler Energie bis 2035 noch einmal verdoppeln obwohl der sogenannte PeakOil im Jahr 2015 erreicht sein wird. Es gibt auch Andere die behaupten das dieser bereits hinter uns liegt und konservative Betrachter beruhigen und meinen, dass dieser Peak erst im Jahr 2030 erreicht sein wird. Klar ist, es wird weniger gefunden als nötig wäre um den zukünftigen Bedarf zu decken.
Diese drei Gründe haben uns veranlasst, herauszufinden, ob und welche Auswirkungen dies für eine Stadt wie Zug haben kann. Ich möchte Ihnen dies an unserem gewichtigsten Ziel erläutern: Die CO2-Reduktion.
Heute ist die Stadt Zug zu ¾ von fossilen Energieträgern abhängig. Ein Teil davon geht in den Verkehr (33%), der grössere Anteil (42%) wird in Stadtzuger Gebäuden verheizt. Dafür bezahlen Zugerinnen und Zuger jeden Winter rund 32 Millionen Schweizer Franken. Sehr viel Geld das schnurstracks in Länder fliesst, in die wir uns nicht einmal in die Ferien trauen. Was in Staaten wie Libyen, Iran etc. mit unserem Geld passiert können wir leider nicht beeinflussen!
Wir sind bei der 2000-Watt-Diskussionen nicht die Einzigen. Viele Städte sind in der gleichen Ausgangslage. Einige haben das bereits gemerkt, bereiten sich vor oder sind schon dabei, sich schleunigst in eine bessere Position zu bringen. Abwarten und nichts tun, ist auf jeden Fall die schlechteste Strategie.
Dabei wären gerade wir in Zug in einer überaus privilegierten Situation und könnten mit See-, Fluss-, Grundwasser und Erdwärme den gesamten Wärmebedarf der ganzen Stadt decken. Wir nutzen heute bestenfalls vielleicht 2% dieser lokal vorhandenen Ressourcen. Für eine solche Umstellung brauchen wir vor allem Zeit! Wenn wir sehr bald beginnen, können wir es schaffen. Wir sprechen dabei auch von Investitionen in der Grössenordnung von bis zu 400 Millionen Franken. Geld das hier im Kanton oder in der Region bleibt und nicht in problematische Staaten exportiert wird. Damit verbunden wären ein nicht zu verachtender wirtschaftlicher Innovationsschub und die Schaffung vieler Arbeitsplätze.
Allein durch eine solche Umstellung könnte sich die Stadt von der fossilen Abhängigkeit befreien und ganz wichtig: Wir könnten unser CO2-Ziel schon fast erreichen, ohne dass sich jemand einschränken müsste.


Nun werden Sie sagen: Aber das braucht doch alles Strom! Das ist natürlich richtig. Damit komme ich zum zweiten Schwergewicht in unseren Zielen: Die Leistungsreduktion.
In Zug werden rund 20% des Energiebedarfes durch Elektrizität gedeckt. Dieser Strom macht aber beinahe die Hälfte der heutigen 6800 Watt aus. Das hat damit zu tun, dass der heutige Strommix in Zug zu 86% aus Kernkraft und lediglich 13% aus Wasserkraft gewonnen wird. Strom aus AKW’s hat einen Primärenergiefaktor der rund 3 ½ Mal höher ist, als Strom aus Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Ressourcen. Das heisst für eine Kilowattstunde AKW-Strom werden 3 ½ Mal so viele Ressourcen nötig wie für eine Kilowattstunde aus erneuerbaren Ressourcen. Würden wir es also schaffen, in 40 Jahren unsere Stromproduktion grösstenteils auf erneuerbare Ressourcen umzustellen, möglicherweise teilweise aus der Region, wäre auch das Ziel der Leistungsreduktion schon fast erreicht. Und auch das, ohne das sich irgendjemand einschränken müsste. Meine Damen und Herren, das nennt man Fortschritt und nicht Rückschritt!
Sie merken: 1 Tonne CO2 oder 2000 Watt haben eigentlich kaum etwas mit der Verbraucherseite zu tun, sondern hauptsächlich mit der Produktionsseite. Aber jeder von uns weiss, dass es auch auf der Verbraucherseite Potenziale gibt. Hier nur ein kleines Beispiel: Wenn Sie ihren alten defekten Kühlschrank durch einen A++ Kühlschrank ersetzen, spart dieser 2/3 gegenüber dem Alten.
Sie merken auch: Dieses Thema in eine grüne Ecke zu drängen, wäre zu viel zu einfach. Es geht um mehr als um Auswirkungen auf das Klima. Es geht um die Verbesserung der Eigenständigkeit. Es geht um Schub für die Industrie und das Gewerbe. Es geht um die Stimulation von Innovation und Bildung und es geht um Arbeitsplätze. Es geht um einen ganz wichtigen Anstoss zur langfristigen Sicherung unseres Lebensstandards.


Im ersten Leitsatz der Energiestrategie heisst es: Die Stadt Zug gehört auch in Zukunft zur Spitzengruppe der Städte mit einer hohen Lebensqualität. Geschätzte Damen und Herren Gemeinderäte, es liegt an uns, ob dies gelingt!
Lassen Sie uns einen Schritt vorwärts machen und unterstützen Sie den Stadtrat in seiner Energiestrategie und unterstützen Sie die Initiative 2000 Watt für Zug.


Andreas Bossard, Stadtrat
Department Soziales, Umwelt und Sicherheit

 

 

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