250 Jahre Samuel Hahnemann - Feier in Zug
16. April 2005
Liebe Mohinder und Martine Jus
Liebe Gäste
Zuerst möchte ich ihnen allen und
besonders dir Mohinder und Martine die Grüsse des Stadtrates von
Zug überbringen.
Wir feiern ja heute einen ganz
besonderen Geburtstag: 250 Jahre Samuel Hahnemann.
Ehrlich gesagt vor gut
10 Jahren wusste ich nicht einmal, dass dieser Hahnemann je
gelebt hat.
Seit mein Leben, dank der
Homöopathie jedoch eine entscheidende Wende genommen hat, ist
auch mir Samuel Hahnemann ein Begriff geworden.
Die Geschichte der Homöopathie
ist ja untrennbar mit Hahnemann, der von 1755 bis 1843 lebte,
verbunden.
Hahnemann, ein
begabter Sohn eines Meissner Porzellanmalers begann mit 20
Jahren in Leipzig sein Medizinstudium.
Durch seine äusserst
gute Beobachtungsgabe ist ihm aufgefallen, dass die damals
bekannten Arzneimittel bei gesunden Menschen Beschwerden
hervorriefen.
Und zwar Beschwerden,
die denen ähnelten, gegen die sie eingesetzt wurden.
Am eigenen Leib
pröbelte er und fand so die Ähnlichkeitsregel.
Grossen Erfolg hatte er mit
seinen Behandlungsmethoden 1831 bei einer schweren
Cholera-Epidemie, während die Schulmedizin recht hilflos war.
Hahnemann war Arzt und
Naturwissenschafter. Was viele nicht wissen: Er hat auch das
Apothekerlexikon verfasst, das als Standartwerk der Pharmazie
seiner Zeit angesehen wird.
Er hat erstmals
zukunftsweisende Regeln der Hygiene bei Seuchen aufgestellt.
Seine Ideen für die
Behandlung von Geistes- und Gemütserkrankungen, entgegen der
damals üblichen äusserst rabiaten Methoden, haben bis heute
Gültigkeit.
Mit der Homöopathie
entwickelte er vor gut 200 Jahren eine Behandlungsmethode,
welche die Medizin revolutionierte.
Seit gut 40 Jahren ist die
Homöopathie wieder im Aufschwung auch wenn sie nach wie vor an
unseren Hochschulen nicht vertreten ist.
Interessant ist – da könnte
Mohinder Jus stundenlang erzählen – dass in Indien, wo die
Medikamente knapp und teuer sind die Homöopathie eine grosse
Rolle spielt und auch an den medizinischen Hochschulen gelehrt
wird.
Zurück zu Hahnemann: Seine vielen
Erfahrungen versuchte er damals zu publizieren, dabei sparte er
nicht mit Vorwürfen an die Ärztekollegen.
Dies brachten ihm natürlich auch
viele Feinde ein, sodass seine Veröffentlichungen teilweise
verboten wurden.
Sind wir auch bei uns bald wieder
soweit?
Vielleicht haben sie
die Diskussionen der letzten Tage in den Zeitungen und am
Fernsehen verfolgt oder die Arenasendung vom vorletzten Freitag
gesehen.
In der heutigen Streitfrage geht
es ja darum ob die 5 wichtigsten Disziplinen der
Komplementärmedizin weiterhin von den Krankenkassen anerkannt
bleiben oder nicht.
Bei all diesen
Diskussionen – so habe ich das Gefühl – geht es sehr ums Geld.
Die Daten der Studie
des Gesundheitsökonomen Hans-Peter Studer, die im Auftrag des
Bundesamtes für Gesundheit erstellt wurde, sollten nicht
veröffentlicht, sondern gelöscht werden.
Diese Studie würde zum
ersten mal wissenschaftlich erhärtete Daten über einen
Kostenvergleich zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin
liefern.
Sie ist das Kernstück
des vom Bund mit 7 Millionen finanzierten Programmes „Evaluation
der Komplementärmedizin“.
Diese Studie sollte eigentlich
Bundesrat Couchepin die Entscheidungsgrundlagen liefern.
Die Nervosität auf beiden Seiten
überrascht natürlich nicht.
Dem Vernehmen nach
fallen nämlich die Resultate, der wie ein Staatsgeheimnis
gehüteten Ökonomiestudie, zu Gunsten der Komplementärmedizin
aus.
Insider sagen: Die Kosten für die
Therapierung von Krankheiten seien zum Teil bloss halb so gross
wie bei der Schulmedizin.
Dies habe ich zusammen mit meiner
Familie selber erfahren. Meine 3 Söhne und auch ich litten
jahrelang an massiven Allergien und Asthma. Unter der klugen
Hand von Mohinder Jus wurde unser Leben wieder lebenswert.
Frei atmen, springen
und Bewegen sind die Lebensqualitäten.
Auch ökonomisch
gesehen. Ich habe die Rechnung gemacht und die Quittungen der
Arztrechnungen zusammengezählt.
In den Jahren der
Cortisonbehandlungen läpperten sich die Gesundheitskosten für
unsere Familie zwischen 5’ – 7000.- Franken zusammen.
In den darauf
folgenden Jahren - dank der Homöopathie - sanken die
Gesundheitskosten unserer 5-köpfigen Familie auf unter 2'000.-
Franken!
Die politischen Diskussionen in
den kommenden Monaten werden spannend sein.
Bereits hat die
Christlichsoziale Zürcher Nationalrätin Rosmarie Zapfel eine
Interpellation zur obigen Geheimhaltungsgeschichte eingereicht.
30 Parlamentarierinnen
und Parlamentarier aus allen Fraktionen haben da
mitunterzeichnet.
Eigentlich ist es traurig, dass
das Heilen je länger je mehr eine Frage des Geldes und der
Politik wird.
Als Sozialvorsteher dieser Stadt
sehe ich die Probleme der Gesundheit auch aus der Optik der
Sozialhilfeempfänger.
Je mehr die sich
gewisse Menschen als „ungebraucht“ vorkommen, weil sie keine
Arbeit mehr finden, desto mehr leiden sie auch an psychischen
und physischen Krankheiten.
Sie suchen Ärzte auf –
dafür haben sie nun Zeit – die ihnen sehr oft nicht helfen
können.
Die
Komplementärmedizin bleibt ihnen sehr oft verwehrt weil sie aus
finanziellen Gründen keine Zusatzversicherung abschliessen
dürfen.
Die Gesundheitskosten
der Sozialhilfeempfänger und der Randständigen sind daher
unglaublich hoch.
All diesen Menschen wünschte ich,
dass sie Ärzte finden wie Hahnemann einer war, und wie Dr. Jus
einer ist.
Ärzte, die jeden Patienten als
individuelle Persönlichkeit ansehen und sich um die persönliche
Geschichte des Patienten interessieren und kümmern.
Ärzte deren höchster und einziger
Beruf es ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen
nennt.
Das Wort Heilen kommt von Heil -
dieses Wort stösst bereits in den Bereich des Religiösen. Hat
die Geschichte des Christentums nicht mit dem
menschenfreundlichen Heilen begonnen?
Nicht nur Geld und Chemie sollen
unser Gesundheitssystem prägen. Nein – auch die Weisheit der
Menschen und die Gaben der Natur sollen das Immunsystem stärken
und so Gesundheit und Leben erhalten.
So freue ich mich mit Ihnen
allen, diesen Geburtstag zu feiern.
Die herrlichen Gaben auf dem
Buffet sollen unsere gesunden Mägen verdauen können.
Unsere aufrechten
Körper sollen sich ohne Schmerzen bewegen können.
Unsere Sinne sollen
die Herrlichkeiten des Frühlings aufnehmen.
Unsere Psychen sollen
Belastungen und Tiefschläge aushalten können.
Dies alles bedeutet
Heil!
So wünsche ich allen, die für
dieses „Heil“ im Sinne von Hahnemann arbeiten viel Kraft sich
weiterhin für das Gute einzusetzen. Dies braucht Weisheit und
ein Feuer, wie dies Mohinder und seine Frau im Geiste von
Hahnemann vorleben.
Mohinder mach weiter
so. Martine unterstütze ihn so viel du kannst.
Unsere Stadt und unser Kanton
sind stolz auf dich, auf euch, auf die SHI.
Ich danke ihnen.
Andreas Bossard, Stadtrat, Zug