Lebkuchenfeier 2006
- Laudatio Petrus Claver Schwestern
Liebe Schwester Ursula, Schwester
Gertrud und Schwester Regina, geschätzte Anwesende
Es ist mir eine grosse Freude zu und über
die Schwesterngemeinschaft der Petrus Claver zu reden und
Ihr Werk, sehr geehrte Schwestern, heute an diesem Anlass
mit der Verleihung des Lebkuchens zu ehren
Die Gemeinschaft der Missionsschwestern
vom Heiligen Petrus Claver hat seit 100 Jahren eine Niederlassung
in Zug. Mit der Jubiläumsausstellung „Afrika in
Zug – Frauen verbinden die Welt“ - zusammen mit
der Burg Zug - haben Sie dieses Jubiläum würdig
begangen.
Sie waren weltweit tätig,
lange bevor Zug von internationalen Firmen als günstiger
Standort entdeckt wurde. Ihre Ordensgründerin Maria Theresia
Ledóchowska hatte 1905 Zug als Niederlassung gewählt.
Nicht einfach aus Zufall, sondern weil Zug im Herzen der Schweiz,
an der Gotthardbahn und damit direkt auf dem Weg zur Hauptniederlassung
nach Rom liegt. Ein weiterer Grund war die Spendenfreudigkeit
der Zugerinnen und Zuger, die für Ihr Werk von tragender
Bedeutung war.
Zug ist noch heute bekannt für
seine Spendenfreudigkeit. Ich denke da nicht nur an den grosszügigen
Finanzausgleich, der in Zug immer wieder zu reden gibt und
der in der ganzen Schweiz und in den übrigen Gemeinden
unseres Kantons geschätzt wird. Ich denke da auch an
die grosszügigen Vergabungen, die unsere Stadt immer
wieder tätigt.
Beim Gespräch mit Schwester
Ursula erfuhr ich, dass bei ihr jährlich etwa 700 Gesuche
eingehen. Ähnlich ist es im Stadthaus: Wöchentlich
trifft eine stattliche Zahl von Gesuchen ein. Weil man weiss,
Zug hat ein offenes Herz.
Die Gründung Ihrer Sodalität
geht auf die Antisklavenbewegung der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts zurück. Bei der Gründung erinnerte
sich Ihr Orden an ei-nen spanischen Jesuiten, der sich im
16. Jh. in Kolumbien mit den Opfern des transatlantischen
Sklavenhandels solidarisierte. Der Name dieses Jesuiten war
Pet-rus Claver, der im Jahre 1888 heilig gesprochen wurde.
Zug ist heute noch mit den Jesuiten verbunden, die ganz in
der Nähe der Stadt, in Schönbrunn wirken. Die wertvollen
Beiträge der Jesuiten für den interreligiösen
Dialog, sind - besonders in der heutigen Zeit - für den
Weltfrieden von entscheidender Bedeutung.
Zurück zu Ihrem Werk:
Ihr Werk wurde durch Druckereierzeugnisse bekannt: Ich denke
da vor allem an die Zeitschrift „Echo aus Afrika“.
Damit fanden Sie viele Spenderinnen und Spen-der. Ihr Hilfswerk
wuchs mit den Sach- und Geldwerten, die Sie den Missionen
übermitteln konnten. Besonders während des ersten,
aber auch während des zweiten Weltkrieges war Zug Mittelpunkt
zahlreicher Niederlassungen. Da sämtliche Länder
rund um die Schweiz in den Krieg verwickelt waren und einige
ihrer Häuser konfisziert wurden – so auch die Hauptniederlassung
in Rom –, mussten sämtliche Geldtransfers in die
Missionen über Zug abgewickelt werden. Dank der Niederlassung
in Zug konnten viele Hilfswerke während der schwierigen
Kriegs-jahren überleben. Von Zug aus wurden auch die
26 Sammelstellen, die über die ganze Deutschschweiz verstreut
waren, betreut. Auch heute ist die Niederlassung in Zug sehr
wichtig. Im Haus an der St.-Oswald-Gasse werden durch ihre
Mit-schwestern unter Mithilfe von Laien emsig Briefe und Zeitschriften
versandt, um Spenden für ihre Werke zu erhalten. Fast
zwei Millionen Franken gingen im Jahr 2005 von Zug hinaus
in die Welt. Sie können stolz darauf sein.
Schwester Ursula hat mir letzte Woche
ein wenig aus ihrer eigenen Geschichte erzählt.
Sie, Schwester Ursula, haben einen ähnlichen Weg wie
Ihre Ordensgründerin gewählt. Sie sind in Polen
aufgewachsen und träumten von einem Sozial- oder Lehreinsatz
in Afrika. Sie haben sich deshalb bei Ihrer Niederlassung
in Polen gemel-det und wurden dort gerne aufgenommen. Sie
konnten Ihren Lebenstraum zwar nur indirekt verwirklichen,
denn Sie kamen nie in den Missionen zum Einsatz. Über
Rom, wo sie in ihrem Mutterhaus Ihre Studien absolvierten,
konnten sie aber eini-ge Visitationsreisen nach Afrika und
Indien unternehmen. Ich denke, das waren Motivationsreisen,
um zu Hause in Ihrer Arbeit die Verbindung zu Ihren Werken
immer wieder zu spüren. Seit vielen Jahren stehen Sie
begeistert der Niederlas-sung in Zug vor.
Als Ihre Ordensgründerin 1905 auf
einer Vortragsreise durch die Schweiz unsere Stadt entdeckte
und an der St.-Oswalds-Gasse an der Fassade des Brandenberg-Hauses
das Bild der „Krönung Marias“ sah, wusste
sie: Das ist das geeignete Haus für ihre Institution!
Zwei Monate später zogen die ersten Schwestern dort ein.
Wie war dies möglich?
Zufällig war das Haus zu kaufen, weil kurz zuvor die
Besitzerin Anna Martha Bran-denberg gestorben war. Prof. Iten
vom Kollegium St. Michael half bei den Forma-litäten.
Im Jahr 1950 konnten Sie dann noch das südliche Nachbarhaus
dazu kaufen. Ihre Häuser inmitten unserer Stadt sind
nach 100 Jahren immer noch international tätig. Sie haben
offene Türen, die wir in Zug schätzen. Ich denke
da an das bekannte „Afrika Museum“, an die Büros,
die sie zum Teil als Atelier vermieten, an das Sitzungszimmer,
das oft von Vereinen genutzt wird - oder den grossen Saal,
den sie der Öffentlichkeit noch mehr zur Verfügung
stellen wollen, beispielsweise für Vorträge, Kammermusikdarbietungen
oder andere Anlässe. Durch die offenen Türen wird
Ihr Haus bekannt und beliebt bleiben.
Liebe Schwestern, bleiben Sie in Zug und arbeiten Sie weiterhin
für Ihre Idee, die Missionstätigkeiten in der Dritten
Welt - besonders in Afrika - zu fördern. Ihr Werk der
Solidarität tut unserer Stadt, die vom internationalen
Handel je länger je mehr geprägt ist, gut. Ihre
Gebete und Ihr solidarisches Handeln sind spürbar.
Schwester Ursula, Schwester Gertrud und
Schwester Regina, Sie haben im Namen ihrer Gemeinschaft den
Frauenthaler Lebkuchen redlich verdient. Ich freue mich, Ihnen
im Namen des Stadtrates diesen Kuchen und die Urkunde übergeben
zu dürfen.
Andreas Bossard, Stadtrat,
Vorsteher Departement Soziales, Umwelt und Sicherheit
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